01 Sep Interview Magazin „Publicum“

Im Vorfeld des Konzertes mit Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ am 14. Oktober in Innsbruck habe ich mit Rainer Lepuschitz ein Interview geführt, das im Magazin “Publicum” erschienen ist. » Interview als PDF lesenOn October 14th I will be singing Mahler´s „Songs of a Wayfarer“ in Innsbruck.
I have met Rainer Lepuschitz for an interview in advance.  » read Interview as PDF

Gustav Mahlers frühe Liebe

Zum Auftakt der Kammerkonzerte singt Klemens Sander die
„Lieder eines fahrenden Gesellen“

So wächst ein echter österreichischer Musiker heran: Solist der St. Florianer Sängerknaben, gleichzeitig auch schon Trompeter in der heimatdörflichen Blasmusik, zweiter und dritter Knabe in der „Zauberflöte“ in Wien, nach dem Stimmbruch zunächst Studium auf der Trompete, Ausbildung in Musikpädagogik und schließlich an der Musikhochschule Wien Gesangsstudium und Liedklasse. Klemens Sander hat stets eine besondere Nähe zum Lied gespürt. Nach Spezialunterricht bei Kammersänger Robert Holl und dem Liedbegleiter David Lutz widmete sich der junge oberösterreichische Bariton zunächst fast ausschließlich dem Liedschaffen. Aber „weil man davon nicht leben kann“, schlug er auch eine Laufbahn als Opernsänger ein, ging in die „gute Schule“ eines deutschen Repertoirebetriebs (Karlsruhe) und wurde an die Volksoper Wien engagiert, wo er nun Paradepartien wie den Papageno singt und dazu Gastauftritte im Theater an der Wien oder am Nationaltheater von Tokyo hat. Dennoch steht für Klemens Sander weiterhin das Lied im Zentrum, geleitet vom immerwährenden Wunsch, dem Publikum Geschichten zu erzählen. Dieses Herzensbedürfnis spürt man auch auf beeindruckende Weise auf Sanders jüngst erschienener CD-Einspielung von Schuberts „Schwanengesang“. In Sanders natürlichem Gesang, mit facettenreichen Stimmfärbungen vom beein druckenden dunklen Timbre bis zu heller Prägnanz, versteht man wirklich jedes Wort. Die Lieder werden zu spannenden Geschichten und offenbaren alle seelischen Regungen. Sander über seine Gestaltungsweise: „Nicht zu viel in die Lieder hinein interpretieren, sich ganz auf die Kraft der Musik verlassen, die Manierismen, die sich im Liedgesang verbreitet haben, weglassen, dafür immer eine natürliche Art des Singens finden.“ Das gilt auch für die Lieder Gustav Mahlers. Der Weg ist nicht so weit von Schuberts einsamen Liederhelden, deren Liebe verschmäht wird, zu Mahlers „Geselle“, der an der unerwiderten Liebe leidet. Nicht nur die Musik, auch die Texte, die Mahler selber verfasst hat, sind, so Sander, „sehr nah am echten Leben geschrieben“. Der junge Komponist, der damals als Opernkapellmeister am Theater in Kassel wirkte, durchlebte dort in Wirklichkeit eine einseitige Liebe zu der Sängerin Johanna Richter. In dieser „aus dem Leben sprechenden Form von Poesie“ tauche man, so Sander, mit jedem Lied „sofort in eine Szene ein“. Alles ist konzentriert in den Liedern: „Lebensfreude, Todessehnsucht, Naturnähe, Wut, Dunkelheit“, zählt Sander auf. Der unglücklich Liebende „geht hinaus in die Natur, beschreibt sie – und fragt sich: Gilt das auch für mich? Dieses Glück, das er in den Bäumen, im Gesang der Vögel, im Aufblühen der Natur spürt. Nein.“ Bei den trauermarschähnlichen Klängen, die Mahler im letzten „Gesellenlied“ anschlägt, spürt Sander eine Verwandtschaft zur Blasmusik, mit der er aufgewachsen ist. Und die auch von Kindheit an in den Ohren Mahlers war, dessen Elternhaus nahe einer Militärkaserne stand, aus der Fanfaren, Signale, Märsche herüberklangen. Sander wird in den „Gesellenliedern“ von einem Oktett begleitet, dem Theophil Ensemble Wien, das eine Kammermusikfassung von dem erfahrenen Arrangeur Andreas N. Tarkmann spielt. „Er hat die Klangfarben von Mahlers Orchesterliedern gut erhalten“, sagt Sander.

Interview: Rainer Lepuschitz | Publicum 03/2012-13

Gustav Mahlers frühe Liebe

Zum Auftakt der Kammerkonzerte singt Klemens Sander die
„Lieder eines fahrenden Gesellen“

So wächst ein echter österreichischer Musiker heran: Solist der St. Florianer Sängerknaben, gleichzeitig auch schon Trompeter in der heimatdörflichen Blasmusik, zweiter und dritter Knabe in der „Zauberflöte“ in Wien, nach dem Stimmbruch zunächst Studium auf der Trompete, Ausbildung in Musikpädagogik und schließlich an der Musikhochschule Wien Gesangsstudium und Liedklasse. Klemens Sander hat stets eine besondere Nähe zum Lied gespürt. Nach Spezialunterricht bei Kammersänger Robert Holl und dem Liedbegleiter David Lutz widmete sich der junge oberösterreichische Bariton zunächst fast ausschließlich dem Liedschaffen. Aber „weil man davon nicht leben kann“, schlug er auch eine Laufbahn als Opernsänger ein, ging in die „gute Schule“ eines deutschen Repertoirebetriebs (Karlsruhe) und wurde an die Volksoper Wien engagiert, wo er nun Paradepartien wie den Papageno singt und dazu Gastauftritte im Theater an der Wien oder am Nationaltheater von Tokyo hat. Dennoch steht für Klemens Sander weiterhin das Lied im Zentrum, geleitet vom immerwährenden Wunsch, dem Publikum Geschichten zu erzählen. Dieses Herzensbedürfnis spürt man auch auf beeindruckende Weise auf Sanders jüngst erschienener CD-Einspielung von Schuberts „Schwanengesang“. In Sanders natürlichem Gesang, mit facettenreichen Stimmfärbungen vom beein druckenden dunklen Timbre bis zu heller Prägnanz, versteht man wirklich jedes Wort. Die Lieder werden zu spannenden Geschichten und offenbaren alle seelischen Regungen. Sander über seine Gestaltungsweise: „Nicht zu viel in die Lieder hinein interpretieren, sich ganz auf die Kraft der Musik verlassen, die Manierismen, die sich im Liedgesang verbreitet haben, weglassen, dafür immer eine natürliche Art des Singens finden.“ Das gilt auch für die Lieder Gustav Mahlers. Der Weg ist nicht so weit von Schuberts einsamen Liederhelden, deren Liebe verschmäht wird, zu Mahlers „Geselle“, der an der unerwiderten Liebe leidet. Nicht nur die Musik, auch die Texte, die Mahler selber verfasst hat, sind, so Sander, „sehr nah am echten Leben geschrieben“. Der junge Komponist, der damals als Opernkapellmeister am Theater in Kassel wirkte, durchlebte dort in Wirklichkeit eine einseitige Liebe zu der Sängerin Johanna Richter. In dieser „aus dem Leben sprechenden Form von Poesie“ tauche man, so Sander, mit jedem Lied „sofort in eine Szene ein“. Alles ist konzentriert in den Liedern: „Lebensfreude, Todessehnsucht, Naturnähe, Wut, Dunkelheit“, zählt Sander auf. Der unglücklich Liebende „geht hinaus in die Natur, beschreibt sie – und fragt sich: Gilt das auch für mich? Dieses Glück, das er in den Bäumen, im Gesang der Vögel, im Aufblühen der Natur spürt. Nein.“ Bei den trauermarschähnlichen Klängen, die Mahler im letzten „Gesellenlied“ anschlägt, spürt Sander eine Verwandtschaft zur Blasmusik, mit der er aufgewachsen ist. Und die auch von Kindheit an in den Ohren Mahlers war, dessen Elternhaus nahe einer Militärkaserne stand, aus der Fanfaren, Signale, Märsche herüberklangen. Sander wird in den „Gesellenliedern“ von einem Oktett begleitet, dem Theophil Ensemble Wien, das eine Kammermusikfassung von dem erfahrenen Arrangeur Andreas N. Tarkmann spielt. „Er hat die Klangfarben von Mahlers Orchesterliedern gut erhalten“, sagt Sander.

Interview: Rainer Lepuschitz | Publicum 03/2012-13

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