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05 Okt Interview Kronen Zeitung: Ein Klassiker als echte Rarität

Kronen Zeitung Steiermark, 4. Oktober 2018

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Im Gespräch mit Bariton Klemens Sander, demnächst zu Gast im Congress Graz

Ein Klassiker als echte Rarität

Bei den „musikabenden“ im Grazer Congress wird Pianist und Impresario Christian Schmidt am Montag mit Klemens Sander einen der gefragtesten österreichischen Lied- und Opernsänger begrüßen.
Die „Krone“ sprach mit beiden über Innovationsquoten, Schumann und die Poetik Heinrich Heines.

Der deutsche Komponist Moritz Eggert hat unlängst eine 50 Prozent-Quote für Neue Musik an Opernhäusern gefordert. Kommt man heute als klassischer Veranstalter oder Sänger vermehrt in Innovations-oder gar Rechtfertigungszwang?

Christian Schmidt: Ich muss mich grundsätzlich nicht rechtfertigen! Zumal wir bei den „musikabenden“ immer auch versuchen, klassisch-romantische Musik mit Stücken aus dem 20. Jahrhundert und der Jetzt-Zeit zu verbinden.

Klemens Sander: Ich kenne die Diskussion ja von der Oper ganz direkt. Grundsätzlich finde ich die Beschäftigung mit zeitgenössischen Werken wichtig, man darf aber nicht vergessen, dass speziell Opern Repertoirebetriebe sind und man auch das Publikum mitnehmen muss. Die Idee mit den Quoten finde ich deshalb eher schwierig.

Gerade Ihnen, Herr Sander, kann man mangelnde Innovation ja nicht vorwerfen: Ihre letzte CD verband Schumanns „Dichterliebe“ mit den gelesenen Ausgangsgedichten von Heinrich Heine. Veränderte die Beschäftigung mit den Texten Ihren Zugang zur Musik?

Sander: Ja, sehr, weil Heines „Lyrisches Intermezzo“ ja viel mehr Gedichte umfasst als nur die von Schumann vertonten und man so auch merkt, was er eben nicht verwendet hat, zum Beispiel die eher bösen, zynischen Lieder – was auch an seiner damaligen Lebenssituation, der Liebe zu Clara, lag. Das ergibt dann gleich einen anderen Kontext, weil wir die Musik zwischen den Gedichten in einen neuen Sinnzusammenhang einbetten konnten. Und den genauer zu kennen verändert natürlich auch Interpretationsfragen wie Tempo und dergleichen.

Sie beide werden die „Dichterliebe“ demnächst auch in Graz präsentieren. Was wiegt, für Ihre Interpretation schwerer: die reflektierende Ironie des Zyklus oder seine unmittelbare, lyrische Note?

Schmidt: Ich glaube, dass sich beides ergänzt. Das herauszuarbeiten, ohne wild mit dem Hobel drüber zu fahren, ist, denke ich, das Ziel jeder guten Interpretation. Die Klavierbegleitung bei Schumann ist zum Beispiel immer sehr eigenständig, mit langen Vor- und Nachspielen, die Stimmungsbilder malen. Da ist dann die Frage, in welches Verhältnis setze ich Text und Klang?

Auf der CD verwenden Sie die selten zu hörende transponierte Notenausgabe Clara Schumanns. Werden wir auch „live“ in Graz diese Rarität erleben?

Sander: Ja, weil die gebräuchlichere, tiefe Peters- Edition für meine Stimmlage sehr ungünstig liegt.

Sie ist aber dem Vernehmen nach für Pianisten schwerer?

Schmidt: Naja, ich spiele die „Dichterliebe“ ohnehin zum ersten Mal, habe also keine Vorerwartung und kann mich ganz frisch darauf einlassen!

Interview: Felix Jureček

Infos unter: musikabendegraz.at

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